Blitze zum Anfassen und GPS zum Geocache

Exkursionen des Differenzierungsfaches „Geographie-Physik“ der 8. wie 9. Klasse

Wissenschaft ohne Handeln - ich weiß nicht, ob es nicht mehr Ballast ist.“, sagte schon der bekannte Hymnendichter und Kirchenvater Ambrosius im 4. Jahrhundert.  Ähnlich ging auch das Differenzierungsfach „Geographie-Physik“ vor. Hier fragte sich auch Lehrerin Christina Müller, wie man naturwissenschaftliche Zusammenhänge am besten verstehen kann, wenn nicht durch Handeln vor Ort. So besuchten die Kurse die Ausstellung „Wetterbericht“ der Bundeskunsthalle in Bonn, das Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche und das Geographische Institut der Uni Bonn.

Dies fand statt im Rahmen der Kooperationsvereinbarungen mit den Arbeitsgruppen „Fernerkundung“ und „Geomatik“ der Universitäten Bonn und Bochum. So nahmen die jungen MINT-Lernenden an den außerschulischen Veranstaltungen mit den Wissenschaftlern beider Universitäten teil.

Die Jahrgangsstufe 9 besuchte gemeinsam mit den Wissenschaftlern die Ausstellung „Wetterbericht“ in der Bundeskunsthalle in Bonn. Das Wetter und das Klima bestimmen schließlich unser Leben und Überleben in existentiellem Maße. Die Nachwuchsforscher gingen dabei der Fragestellung nach, inwiefern kurzfristige Wetterereignisse und längerfristige klimatische Veränderungen Einfluss auf die Natur, menschliche Zivilisation und Kultur haben können. Eine zentrale Rolle spielt vor diesem Hintergrund der Klimawandel, der trotz wissenschaftlicher Forschung und politischem Bemühen als ein globales Problem gilt, das noch lange nicht gelöst ist.

In 12 verschiedenen Ausstellungsräumen konnten die Schüler die verschiedenen Elemente und Phänomene des Wettersystems erkunden und mit allen Sinnen erleben. Dabei sorgte der Raum „Gewitter“ mit einer Blitzvorführung für besondere Hochspannung. Die Schüler hatten die Möglichkeit, Blitze anzufassen, ohne von ihnen direkt getroffen zu werden. Ein wirklich spannungsgeladenes und knallendes Erlebnis, das so schnell nicht wieder vergessen ist.

Im Anschluss ging es in das gegenübergelegene Zentrum der Fernerkundung der Landoberfläche (ZFL) der Uni Bonn, um die Eindrücke der Ausstellung gemeinsam mit den Wissenschaftlern aufzuarbeiten. Wie können Fernerkundungsmethoden bei der Erforschung des Klimas bzw. des Klimawandels hilfreich sein? Neben aktuellen Forschungsergebnissen der Wissenschaftlern zu diesem Thema wurden die Schüler auf die Projektarbeit des beginnenden Schulhalbjahres im Teilbereich „Geographie“ vorbereitet. Die Ergebnisse der Schülerarbeiten werden im Mai an der Ruhr-Universität Bochum bei einem Schülertag präsentiert.

Die Jahrgangsstufe 8 brach derweil zum gemeinsamen Geocaching, einer „Schnitzeljagd“ via GPS-Geräten, in das Geographische Institut der Uni Bonn auf. In mehreren Gruppen wurden die Schüler in die Technik der GPS-Geräte eingeführt und begaben sich kreuz und quer durch Bonn-Poppelsdorf auf die Suche nach dem „Geocache“, dem zu findendem Schatz. Doch die Schatzsuche stellte sich schwieriger als gedacht dar, denn zu jedem Standort mussten Fragen gelöst werden, um die nächsten Koordinaten für das GPS-Gerät erhalten zu können. Fast am Standort des Schatzes angekommen, musste die letzte Hürde, ein Kreuzworträtsel zum Thema Fernerkundung noch gelöst werden. Doch am Ende der Suche konnte sich jede Gruppe über den „Geocache“ mit ganz viel Gummibärchen freuen. Im Anschluss wurden die Schüler im ehrwürdigen „Roten Saal“ des Geographischen Instituts von den Wissenschaftlern in die Aufgaben und Methoden der satellitengestützten Erdbeobachtung anhand eines Lernens an Stationen eingeführt. Hier bemerkten einige Schülerinnen und Schüler beim Zuordnen von Satellitenbildern zu verschiedenen Städten der Erde, dass unsere Erde von oben doch manchmal ganz anders aussieht als wir sie kennen. Perspektivwechsel mal anders – und gleichsam auch ein „Lernen mal anders“: Durch Geocaching an einem weitestgehend unbekannten Ort und mit Experten, die einem die aktuellen Möglichkeiten der Forschung zum Thema Erdbeobachtung aufzeigen können.

Es bleiben Eindrücke von Blitzen zum Anfassen und satellitengestützer Raumerkundung – von so viel „Handeln“ wäre Ambrosius wohl begeistert gewesen. (Text: hk/cm; Fotos: Christina Müller)

   
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