GSA-Schüler bringen aktuelle Fragen von Verantwortung, Wahrheit und Haltung mit auf die Bühne
Manchmal ist es ein Stolpern, das einen aus dem Gedankenkarussell reißt.
Einen Moment lang steht man still, muss sich neu sortieren und entscheiden, wie es weitergeht. Genau davon erzählt „Stolpern“, ein Theaterstück, das Jugendliche des Teen Ensembles am Bonner Marabu-Theater selbst entwickelt und geschrieben haben. Und es geht dabei um weit mehr als einen Moment des Strauchelns: Es geht um Schuld und Verantwortung, um die Frage, wie wir heute mit der Vergangenheit umgehen – und darum, was es bedeutet, Haltung zu zeigen, wenn rechtsextreme Positionen wieder stärker werden.
Mitten in diesem anspruchsvollen Projekt steht ein Schüler des Gymnasiums Siegburg Alleestraße:
Benjamin Bokämper ist erst seit Februar 2026 Mitglied des Marabu-Theaters und damit noch relativ neu in der Theaterwelt. Umso bemerkenswerter ist, wie selbstverständlich er sich in das Teen Ensemble eingebracht hat. Gemeinsam mit insgesamt siebzehn Jugendlichen hat er an „Stolpern“ gearbeitet, Gedanken entwickelt, Szenen erprobt, verworfen und neu zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein Stück, das nicht einfach Antworten liefert, sondern sein Publikum ganz leicht und ohne moralischen Zeigefinger zum Nachdenken zwingt. Die Jugendlichen beschäftigen sich mit dem Gefühl, eigentlich handeln zu müssen, aber dennoch immer wieder in Gedanken und Zweifeln stecken zu bleiben.
Was geschieht, wenn dieses Kreisen zur Gewohnheit wird?
Wenn Widerstand zu anstrengend erscheint oder die Angst davor, für eine Überzeugung einzustehen, größer wird als der Mut zum Handeln?

Gerade angesichts einer Gesellschaft, in der rechtsextreme Kräfte wieder selbstbewusster auftreten, gewinnt diese Frage besondere Aktualität. „Stolpern“ beschäftigt sich deshalb auch mit der Verantwortung gegenüber der Geschichte: Wie kann man aus der Vergangenheit lernen? Was bedeutet es, sich heute gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit zu stellen? Und wie gelingt es, nicht nur zu erkennen, dass etwas falsch läuft, sondern tatsächlich aufzustehen und etwas dagegen zu tun?
Für das GSA ist Benjamin Bokämper dabei nicht der einzige Schüler, der sich auf der Theaterbühne engagiert. Auch Marit May ist bereits seit längerer Zeit Mitglied des Ensembles und steht aktuell in „NICHTS, als die Wahrheit“ auf der Bühne. Das Stück widmet sich einem Thema, das kaum aktueller sein könnte: der Frage, wie wir in einer Welt voller Täuschungen, Manipulationen und konkurrierender Wahrheiten erkennen können, was tatsächlich wahr ist.
Versprechen, die sich nicht erfüllen, bewusst gesetzte Täuschungen und sogenannte „alternative Fakten“ bilden dabei den Ausgangspunkt für eine Suche nach Wahrheit. Was passiert, wenn objektive Tatsachen nicht mehr größere Gültigkeit haben als persönliche Meinungen? Wie viel Wahrheit können wir überhaupt ertragen? Und wäre es vielleicht sogar angenehmer, nicht immer so genau hinzusehen? Auch hier wird Theater zum Denkraum und Möglichkeit, für sich einzustehen. Vielleicht gehört das Stolpern sogar dazu. Entscheidend ist nicht, dass man niemals ins Straucheln gerät. Entscheidend ist, was danach passiert: ob man liegen bleibt, sich wieder im Kreis dreht – oder aufsteht und weitergeht.
Wer „Stolpern“ und „Nichts, als die Wahrheit“ noch nicht gesehen hat, kann das Stück noch live im Marabu erleben; die aktuellen Aufführungstermine finden sich auf der Website des Theaters. Das Projekt Teen Ensemble Marabu wird gefördert vom Land NRW im Rahmen der Konzeptionsförderung 2023-2025 des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.
(Text: Klein, Fotos: Klaus Rosen)
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