Begabtenförderung am GSA zeigt, was aus Ideen entstehen kann
Theater und Architektur, Kinderliteratur und Umweltschutz, Robotik und Künstliche Intelligenz, Medizin, Stadtentwicklung – bis hin zur Besiedlung des Mars:
Bei der Informations- und Präsentationsveranstaltung der Begabtenförderung zeigten Schülerinnen und Schüler des GSA, wie vielfältig, kreativ und anspruchsvoll selbstständige Projektarbeit sein kann.
Nach einem Schuljahr intensiver Projektarbeit stellten sie ihre Ergebnisse einem interessierten Publikum aus Schulleitung, Eltern, Lehrkräften sowie Mitschülerinnen und Mitschülern vor – und machten sichtbar, wie aus einer eigenen Frage Schritt für Schritt ein ganz persönliches Projekt entstehen kann.
Der Projektunterricht ist ein wichtiger Baustein der Begabtenförderung am GSA.


Als jahrgangsstufenübergreifendes Enrichment-Angebot eröffnet er leistungsstarken und besonders interessierten Schülerinnen und Schülern zusätzliche Räume für selbstständiges, kreatives und forschendes Lernen. Das Spektrum ist dabei bewusst breit: Naturwissenschaftlich-technische, geistes- und gesellschaftswissenschaftliche sowie künstlerische Fragestellungen finden gleichermaßen ihren Platz.
Im vergangenen Schuljahr stand die Arbeit unter der Leitfrage „Wie können wir zu einer friedlicheren Weltgemeinschaft beitragen?“. Die entstandenen Projekte zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich junge Menschen eine gemeinsame Ausgangsfrage aufgreifen, weiterdenken und daraus eine ganz eigene Fragestellung entwickeln können.
Bühne frei für den Frieden
Wie aus einer eigenen Idee ein echtes Bühnenprojekt wird, zeigt Benjamin Bokämper aus der EF. Mit „Einfach Frieden – Wie einfach kann Frieden sein?“ schrieb er nicht nur ein eigenes Theaterstück, sondern bringt es gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Orientierungsstufe auf die Bühne. Damit übernimmt Benjamin weit mehr als die Rolle des Autors: Regie, Probenarbeit und die Verantwortung für eine ganze Theatergruppe gehören inzwischen ebenso zu seinem Projekt. Auch während der Sommerferien vertiefte er sein Interesse bei der Sommerakademie der Hochbegabten-Stiftung der Kreissparkasse Köln.
Ein Termin zum Vormerken: Am 9. Oktober 2026 um 18 Uhr feiert „Einfach Frieden“ in der Aula des GSA seine Uraufführung.
Die gesamte Schulgemeinschaft ist herzlich eingeladen, diesen besonderen Projektabschluss mitzuerleben!
Auch Maren Otterbein (10d) und Martha Stern (8a) zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, wie persönliche Interessen zu starken Projekten werden können. Für Maren ist Architektur mehr als ein Berufswunsch: Sie begeistert sich besonders für ästhetisches Bauen und ging der Frage nach, wie sich ansprechende Gestaltung, Funktionalität und Nachhaltigkeit miteinander verbinden lassen. Dazu recherchierte sie gezielt nach nachhaltigen Baumaterialien und machte ihre Ideen mit einem eigenen Modell sowie einer selbst erstellten Website anschaulich. Martha wiederum brachte ihre Kreativität bereits zum zweiten Mal zwischen zwei Buchdeckel: Sie präsentierte ihr zweites selbst geschriebenes und illustriertes Kinderbuch. Darin versucht der junge Orang-Utan Gustav, seinen Regenwald vor den Folgen der Palmölproduktion zu schützen. Mit gerade einmal 13 Jahren bereits zwei Kinderbücher im Repertoire zu haben, ist eine beachtliche Zwischenbilanz – und vielleicht auch ein kleiner Hinweis an möglicherweise mitlesende Verlage.


Einem vermeintlich typisch deutschen Phänomen widmeten sich Thilo Henkel und Philipp Liampos aus der 10c. Unter dem Titel „German Unzufriedenheit“ untersuchten sie, welchen Einfluss Wahrnehmung, Grundhaltung und Nachrichten auf unser Empfinden von Zufriedenheit haben können. Das deutsche Meckern wurde damit ein Schuljahr lang erstaunlich ernsthaft erforscht – erfreulicherweise, ohne dass die Stimmung darunter gelitten hätte.
Wenn Eigeninitiative Türen öffnet
Manchmal beginnt ein Projekt mit einem ganz einfachen Wunsch: einen Roboter zu programmieren. Johanna Kunze(7b), Lina Lider (8d) und Leo Kissel (10c) beließen es nicht bei dieser Idee, sondern recherchierten selbst nach geeigneten Ansprechpartnern. Aus ihrer Anfrage entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Künstliche Intelligenz und Autonome Systeme der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Dass dieser Wunsch tatsächlich Wirklichkeit werden konnte, ist alles andere als selbstverständlich: Prof. Dr. Javad Ghofrani, Leiter des Instituts, griff die Anfrage der drei auf und erfüllte ihnen dankenswerterweise ihren Wunsch nach einer praktischen Lernerfahrung vor Ort. So konnten Johanna, Lina und Leo unter anderem mit Python programmieren und mit einem humanoiden Roboter arbeiten.
Leo entwickelte darüber hinaus ein eigenes Strategiespiel, das friedliches Zusammenleben und Umweltschutz miteinander verbindet. Die Spielbestandteile entstanden im 3D-Druck – einschließlich der ganz praktischen Erfahrung, dass zwischen einer guten Idee und dem fertigen Modell bisweilen einige zusätzliche Stunden Geduld liegen können.
Auch Frida Fuchs und Siel Mile aus der 7b wollten es beim Thema Umweltschutz nicht bei der Recherche belassen. Sie nahmen Kontakt zur Schutzgemeinschaft Deutscher Wald auf und beschäftigten sich mit einer möglichen Wiederaufforstungsaktion. Ihr Projekt zeigte besonders anschaulich, wie aus Wissen der Wunsch entstehen kann, selbst ins Handeln zu kommen.
Arik Ecker, Vincent Hofbauer und Gabriel Szypryt Abilleira (EF) setzten sich mit der Frage auseinander, welche Voraussetzungen eine Gesellschaft für dauerhaften Frieden braucht. Eine der außerschulischen Lerngelegenheiten im Rahmen des Enrichment-Angebots führte sie zum Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen. Dort konnten sie ihre Projektfragen in einem ausführlichen Expertengespräch mit Oberstleutnant Ralf Keller vertiefen und neue Perspektiven für ihre Arbeit gewinnen. Aus dem Gespräch und ihrer eigenen Recherche entstand anschließend ein Video zu grundlegenden Fragen einer friedlichen Gesellschaft.
Eine ausgesprochen ungewöhnliche Antwort auf die Verbindung von Frieden, Kunst, Architektur und Nachhaltigkeit fand Micha Lenz aus der 7a. Inspiriert unter anderem von Banksy und TvBoy entwickelte er die Idee eines Erdmännchenmuseums für Siegburg. Mit einem selbst konstruierten Modell und einem selbst erstellten Trailer gab er seinem Stadtentwicklungskonzept schließlich ganz konkrete Gestalt.
Vom Mars bis zum Lehrplan: Forschen mit Weitblick
Dass echtes Interesse nicht mit dem Ende eines Schuljahres aufhören muss, zeigt Philipp Kroeber (9b). Bereits im vorherigen Projektjahr hatte er sich mit der möglichen Besiedlung des Mars beschäftigt. Nun führte er seine Arbeit konsequent weiter und programmierte mit Scratch eine fiktive Marsbasis.
Ein Thema, das medizinisches Wissen und gesellschaftliche Fragen unmittelbar zusammenführt, nahm Philipp Horn (7a) in den Blick: Adipositas. Er arbeitete sich in die medizinische Einordnung ein, untersuchte gesundheitliche Folgen und mögliche Lösungswege und bereitete seine Ergebnisse zugleich sachlich, differenziert und medienwirksam auf.
Ein besonderer Blickfang seiner Präsentation: ein selbst produzierter Trailer, mit dem Philipp sein anspruchsvolles Thema eindrucksvoll auf den Punkt brachte.

Hasan Al Hamwi (EF) richtete den Blick auf eine der großen Menschheitsfragen: den Weltfrieden. Aus historischer und kultureller Perspektive untersuchte er, ob dauerhafter Frieden eine realistische Perspektive oder letztlich Utopie bleibt, und führte dazu unterschiedliche Sichtweisen zusammen.
Christoph Putzka (9d) nahm sich schließlich eines Gegenstands an, den vermutlich nur wenige Schülerinnen und Schüler freiwillig zur Freizeitlektüre wählen würden: die nordrhein-westfälischen Kernlehrpläne. Seine Frage „Was müssen wir eigentlich wirklich lernen?“ führte zu einer anspruchsvollen Auseinandersetzung mit Bildungsinhalten und deren schulischer Umsetzung.
Den Blick bereits über die Schule hinaus richteten Bogdan Karachanski und Sebastian Massing (Q1). Sie berichteten aus eigener Erfahrung über das FFF-Programm der Universität Bonn, das besonders engagierten Schülerinnen und Schülern ermöglicht, schon während ihrer Schulzeit universitäre Lehrveranstaltungen zu besuchen.
Was bleibt, ist mehr als ein fertiges Produkt
So unterschiedlich die Projekte waren, so klar verband sie ein gemeinsamer Kern: Aus eigenen Fragen wurden eigenständige Vorhaben – getragen von Neugier, Ausdauer und der Bereitschaft, Verantwortung für den eigenen Lernweg zu übernehmen.
Der Präsentationsabend bot den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, nicht nur ihre Ergebnisse, sondern auch den Weg dorthin sichtbar zu machen. Ihnen gebührt große Anerkennung für ihre Ideen, ihre Ausdauer und nicht zuletzt für den Mut, die eigene Arbeit einem Publikum zu präsentieren und sich anschließend den Fragen und Gesprächen an den einzelnen Projektständen zu stellen.
Zugleich wurde an diesem Abend greifbar, was Begabtenförderung leisten kann: individuelle Interessen aufzugreifen, Selbstständigkeit zu fördern, fachliche Grenzen zu öffnen und Schule mit Hochschulen, Institutionen und weiteren außerschulischen Lernorten zu vernetzen. Solche Kooperationen und zusätzlichen Lerngelegenheiten gehören inzwischen fest zum Projektunterricht am GSA.
Ideen verbinden, Zukunft gestalten: „Brücken bauen“
Mit dem neuen Schuljahr startet auch der Projektunterricht in eine neue Runde. Unter dem Motto „Brücken bauen“ entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigene Ideen und Fragestellungen – zu Verbindungen zwischen Menschen und Kulturen, unterschiedlichen Perspektiven und Ideen, aber auch zu der Frage, wie aus einer ersten Vorstellung ein konkretes Projekt werden kann.
Für alle eingeladenen Schülerinnen und Schüler findet der Projektunterricht dienstags in der 4. Unterrichtsstunde in Raum H.2.02 statt.
Welche Ideen daraus entstehen werden? Man darf gespannt sein. Denn oft beginnt ein besonderes Projekt mit einer ganz einfachen Frage: „Ich würde gern herausfinden, ob …“
(Text & Fotos: Dr. Christina Müller)



















