Jahrgangsstufe 9 auf Studien- und Berufsorientierung zwischen Technischer Hochschule Deggendorf und Bayerischem Wald
Im Rahmen der Berufsfelderkundungs- und Studienorientierungsfahrt im GeoMINT-Bereich (BFE-BSO-GeoMINT-Fahrt) unternahm die Jahrgangsstufe 9 eine viertägige Exkursion nach Bayern. Diese mehrtägige Exkursion ist seit letztem Schuljahr ein fester und wichtiger Bestandteil des Differenzierungskurses „Geographie-Physik“ der Jahrgangsstufe 9. Darüber hinaus erhalten interessierte Lernende der gesamten Jahrgangsstufe 9 sowie der Begabtenförderung die Möglichkeit, an dieser Berufs- und Studienorientierungsfahrt teilzunehmen und gemeinsam Einblicke in naturwissenschaftlich-geographische Fragestellungen sowie in mögliche Studien- und Berufsfelder im MINT-Bereich zu gewinnen. Ziel der Reise war die Technische Hochschule Deggendorf (THD), die den Auftakt für eine erkenntnisreiche und abwechslungsreiche Fahrt bildete.


Künstliche Intelligenz zum Anfassen an der TH Deggendorf
Der erste Tag an der TH Deggendorf stand ganz im Zeichen der Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz. In einem anschaulichen Vortrag und anschließenden Workshop mit Professor Dr. Robert Hable erhielten die Teilnehmenden zunächst grundlegende Einblicke in die Funktionsweise und Bedeutung von KI. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem das Maschinelle Lernen als zentraler Bestandteil moderner Künstlicher Intelligenz. Darunter versteht man die Fähigkeit von Computersystemen, auf der Grundlage großer Datenmengen mathematische Muster zu erkennen und daraus begründete Entscheidungen oder Einschätzungen abzuleiten. Anhand verständlicher Erläuterungen wurde aufgezeigt, wie sogenannte Trainingsdaten genutzt werden, um mathematische Modelle schrittweise zu entwickeln, zu überprüfen und weiter zu verbessern.
So wurde deutlich, dass KI-Systeme nicht „von selbst denken“, sondern auf der Anwendung mathematischer Verfahren beruhen, mit deren Hilfe Daten analysiert, gewichtet und in Beziehung gesetzt werden. Die Jugendlichen erhielten Einblicke darin, wie Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistik und grundlegende Modelle der linearen Algebra die Basis dafür bilden, dass ein System aus Daten lernen kann, ohne dass jeder einzelne Fall im Voraus festgelegt werden muss. Auf diese Weise wurde verständlich, dass Künstliche Intelligenz im Kern ein Anwendungsfeld mathematischer Modellbildung ist. „KI ist ganz schön viel Mathe“, stellte ein Schüler sichtlich überrascht fest – eine Erkenntnis, die die enge Verbindung zwischen moderner Technologie und mathematischem Denken prägnant zusammenfasste.


Besonders eindrucksvoll waren die praktischen Experimente zur sogenannten „Schwarmintelligenz“, bei denen die Gruppe selbst erleben konnte, wie viele einzelne Einheiten durch einfache Regeln gemeinsam komplexe Muster und Entscheidungen hervorbringen können. Die Teilnehmenden wurden dabei selbst Teil der Experimente und konnten beobachten, wie aus scheinbar einfachen Bewegungen und Entscheidungen ein intelligentes Gesamtsystem entsteht.
Einen weiteren fachlichen Schwerpunkt bildete der Vortrag von Herrn Dr. Peter Hofmann zu den Grundlagen der Fernerkundung und moderner Erdbeobachtung im GIS-Labor der THD. Dabei wurde deutlich, dass Bilddaten aus Satelliten, Flugzeugen oder Drohnen keine klassischen Fotografien sind, sondern Messdaten, die von Sensoren in unterschiedlichen Spektralbereichen erfasst und anschließend in digitale Geodaten überführt werden. Erst durch mathematische Auswertung, geographische Verortung und fachliche Interpretation lassen sich daraus belastbare Aussagen über Landschaften, Vegetation, Gewässer oder Umweltveränderungen ableiten. So wurde die zentrale Bedeutung von Geodaten für zahlreiche geographische Fragestellungen und für das Verständnis aktueller Umweltprozesse sichtbar.
Anknüpfend daran wurde das Projekt KIWA vorgestellt, das Fernerkundungsdaten mit Methoden der Künstlichen Intelligenz und der Spatial AI verbindet.
Ziel ist es, mithilfe von Drohnen, hochaufgelösten Sensordaten und KI-gestützter Bildanalyse Waldökosysteme besser zu beobachten und insbesondere Risiken wie Waldbrände frühzeitig zu erkennen. Die Gruppe erhielt so einen kompakten Einblick, wie moderne Erdbeobachtung, datenbasierte Analyse und KI zusammenwirken können, um konkrete Herausforderungen im Umwelt- und Klimaschutz zu bearbeiten und nachhaltige Entscheidungen zu unterstützen.
Besonders eindrücklich war in diesem Zusammenhang die Auseinandersetzung mit der Frage der Wahrnehmung: Viele staunten darüber, wie stark Bilddaten unsere Sicht auf die Welt prägen – und wie leicht sie zugleich täuschen können. Es wurde deutlich, dass Bilder nicht einfach „Realität abbilden“, sondern immer verarbeitet, interpretiert und algorithmisch ausgewertet werden müssen. Diese kritische Perspektive auf Daten, Modelle und Wahrnehmung bot einen wichtigen gedanklichen Impuls für den weiteren Verlauf der Exkursion.
Zur Mittagszeit ging es in die neue Mensa der THD, die – ebenso wie das gesamte Gebäude – eher an ein modernes Kunstmuseum erinnerte und mit einem beeindruckenden Blick auf die Donau begeisterte. Am Nachmittag erhielten die Jugendlichen umfassende Informationen rund um das Studium an der TH Deggendorf und in Bayern allgemein. Neben informativen Vorträgen gab es zahlreiche Give-aways zum möglichen Studium an der THD sowie eine interaktive Campusführung. Bei strahlendem Sonnenschein – wohl zum ersten Mal seit Wochen – erkundeten die Jugendlichen den Campus. Die Gruppe hatte die Sonne offenbar aus dem Rheinland mitgebracht.


Mitmach-Museum, Naturwissenschaften und UNESCO-Welterbe
Am zweiten Programmtag führte die Fahrt in das Mitmach-Museum XPERIUM im Bayerischen Wald in Sankt Englmar. Neben winterlicher Kulisse mit Sonnenschein und noch schneebedeckten Hängen erwartete die Gruppe eine Vielzahl interaktiver Experimente. In einer Führung zu den Elementen Luft und Wasser konnten die Jugendlichen naturwissenschaftliche Phänomene selbst erproben und physikalische sowie mathematische Zusammenhänge hautnah erleben. Auch die menschliche Wahrnehmung stand im Mittelpunkt zahlreicher Stationen, die mit allen Sinnen erkundet werden konnten. Zum Abschluss blieb genügend Zeit, um die Ausstellungen eigenständig zu entdecken und Lieblingsstationen erneut auszuprobieren.
Im Anschluss ging es weiter in die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Regensburg. Dort konnte die Lerngruppe die Altstadt in Kleingruppen eigenständig erkunden und die zur Verfügung stehende Freizeit genießen. Zwischen Dom, Donauufer und verwinkelten Gassen wurde dabei nicht nur geschlendert, fotografiert oder eine Pause in einem Café eingelegt, sondern ganz nebenbei auch das Stadtbild entdeckt und Orientierung im historischen Stadtraum erprobt – mal mehr, mal weniger zielgerichtet, aber stets mit guter Laune.
Am Ende sollte sich die zuvor thematisierte Schwarmintelligenz noch einmal praktisch bewähren: Alle Gruppen fanden zur vereinbarten Zeit wieder zuverlässig zum Treffpunkt an der Steinernen Brücke zurück – ein schöner Beleg dafür, dass Orientierung, Teamarbeit und ein wenig digitale Navigation reibungslos funktionieren können.


Gemeinschaft und neue Eindrücke
Untergebracht war die Gruppe im „Sonnenhotel“ in Waldmünchen, einer gemütlichen und herzlichen Drei-Sterne-Unterkunft. Bereits bei der Anreise wurde gestaunt, wie viel Schnee dort im Vergleich zu Siegburg lag. Begleitet von ihrem treuen Busfahrer – Herrn Jürgen Hof – kehrte die Gruppe nach den täglichen Programmpunkten stets sicher zur Unterkunft zurück. Am letzten Abend wurde das gemeinsame Buffet noch einmal besonders genossen und die zahlreichen Eindrücke der Reise ausgetauscht.
Ein Beitrag zur Studien- und Berufsorientierung
Die GeoMINT-Fahrt wurde insgesamt sehr positiv aufgenommen. Insbesondere die Kombination aus Hochschulbesuch, praktischen Workshops, naturwissenschaftlichen Experimenten und Einblicken in Studienmöglichkeiten bot vielfältige Orientierung im MINT-Bereich und eröffnete neue Perspektiven für die eigene berufliche Zukunft.
Zugleich erfüllt die Fahrt zentrale Elemente der Studien- und Berufsorientierung im Sinne von „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) in Nordrhein-Westfalen. Die Teilnahme kann mit zwei Berufsfelderkundungstagen (BFE) angerechnet werden und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur systematischen Berufs- und Studienorientierung der Jahrgangsstufe 9.
Dank der hervorragenden Organisation von Herrn Professor Dr. Robert Hable und seinem Team der THD konnte diese GeoMINT-Fahrt bereits zum zweiten Mal erfolgreich durchgeführt werden. Diese mehrtägige Exkursion ist damit erneut ein wertvoller Baustein im Bereich der GeoMINT-orientierten Studien- und Berufsorientierung am GSA.
(Text & Fotos: Dr. Christina Müller)
















