PoWiSo-Kurs der Jahrgangsstufe 9 wird zu echten Sozialforscherinnen und Sozialforschern
Kann man an der Kleidung eines Menschen seine politische Einstellung erkennen? Ernähren sich Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten unterschiedlich gesund? Und welche Faktoren beeinflussen eigentlich unsere Meinungen und Entscheidungen im Alltag?
Mit Fragen wie diesen beschäftigte sich der PoWiSo-Kurs der Jahrgangsstufe 9 von Hans Klein in den vergangenen Wochen. Dabei ging es jedoch nicht darum, möglichst schnell Antworten zu finden. Stattdessen lernten die Schülerinnen und Schüler, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überhaupt zu belastbaren Ergebnissen gelangen: durch empirische Sozialforschung.
Ausgehend von selbst gewählten Fragestellungen entwickelten die Jugendlichen eigene Fragebögen und beschäftigten sich intensiv mit den Herausforderungen wissenschaftlichen Arbeitens. Schnell zeigte sich, dass gute Forschung weit mehr bedeutet, als einfach ein paar Fragen aufzuschreiben. Jede Formulierung wurde kritisch hinterfragt, Antwortmöglichkeiten wurden diskutiert und mögliche Verzerrungen gesucht. Im Plenum wurden die Entwürfe vorgestellt, gemeinsam überarbeitet und auf ihre wissenschaftliche Qualität überprüft.

Besonders spannend war dabei die Suche nach sogenannten Drittvariablen – also Faktoren, die ein Ergebnis beeinflussen könnten, ohne auf den ersten Blick sichtbar zu sein. Immer wieder wurde debattiert, ob eine Frage tatsächlich das misst, was sie messen soll, oder ob bereits kleine Formulierungen die Antworten ungewollt lenken könnten. So entstand ein lebendiger Einblick in die Arbeitsweise moderner Sozialwissenschaft.
Der Höhepunkt des Projekts folgte am vergangenen Freitag. Während die sommerlichen Temperaturen den regulären Unterricht ohnehin zur Herausforderung machten, verlegten die jungen Forscherinnen und Forscher ihre Arbeit glücklicherweise nach draußen. In der Siegburger Innenstadt sammelten sie Daten für ihre Untersuchungen und führten ihre Umfragen mit Bürgerinnen und Bürgern durch.
Nun beginnt die nächste Phase des Projekts: die Auswertung. Dazu lernen die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit Statistikprogrammen wie GrafStat4 kennen und werden ihre Ergebnisse systematisch analysieren. Erst dann wird sich zeigen, welche ihrer Vermutungen sich bestätigen und welche überraschenden Erkenntnisse die Daten bereithalten.
Vom ersten Forschungsinteresse über die Entwicklung wissenschaftlicher Fragebögen bis zur statistischen Auswertung erleben die Jugendlichen dabei einen kompletten Forschungsprozess. Oder anders gesagt: Aus neugierigen Fragen werden wissenschaftliche Untersuchungen – und aus Schülerinnen und Schülern für einige Wochen echte Sozialforscherinnen und Sozialforscher.
(Text: Klein, Fotos: Klein)






