Sowi-Leistungskurs schlüpft beim Planspiel in die Rollen von Staats- und Regierungschefs, Lobbyisten und Wissenschaftlern
Wie entstehen eigentlich europäische Entscheidungen? Und warum dauert es manchmal so lange, bis sich 27 Staaten auf einen gemeinsamen Weg einigen? Antworten auf diese Fragen findet man nicht nur in Lehrbüchern – manchmal erlebt man sie am besten selbst.
Genau dazu hatte der Sozialwissenschaften-Leistungskurs des Gymnasiums Siegburg Alleestraße von Fachlehrer Hans Klein die Gelegenheit. Gemeinsam mit Lena Katzek von der CIVIC GmbH – dem Institut für internationale Bildung – verwandelte sich der Unterricht für einen Tag in einen europäischen Verhandlungssaal. Im Mittelpunkt stand ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: Energie und Klima.
Das Thema hatten die Schülerinnen und Schüler zuvor selbst ausgewählt.


Als Vorbereitung auf die anstehende Brüsselexkursion wollten sie sich intensiv mit einem Politikfeld beschäftigen, das die Europäische Union in den kommenden Jahren entscheidend prägen wird. Ziel des Planspiels war es, Lösungen zu finden, mit denen die europäischen Klimaziele erreicht werden können – eine Aufgabe, die in der Realität unterschiedlichste Interessen miteinander verbinden muss.
Dafür schlüpften die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer in ganz unterschiedliche Rollen. Einige vertraten Mitgliedstaaten im Europäischen Rat, andere sprachen für Lobbyverbände, Nichtregierungsorganisationen oder die Wissenschaft. Schnell wurde deutlich, dass Klimapolitik weit mehr ist als die Frage nach der besten technischen Lösung.
Wirtschaftliche Interessen und Möglichkeiten, gesellschaftliche Erwartungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Kompromisse mussten immer wieder neu gegeneinander abgewogen werden.
Mit großem Engagement wurde diskutiert, argumentiert und verhandelt. Immer wieder galt es Positionen zu überdenken und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, denn am Ende brauchten die Mitgliedsstaaten einen Konsens.
Lena Katzek zeigte sich dabei beeindruckt vom hohen fachlichen Niveau des Kurses.
Besonders der umfangreiche Wissensstand der Schülerinnen und Schüler sowie ihre große Diskussionsfreude machten die Simulation zu einer lebendigen und anspruchsvollen Veranstaltung. Besonders interessant war es dabei, auch mal andere Perspektiven einzunehmen – denn die Positionen von Estland, Bulgarien oder Spanien zum Thema sind deutlich weniger bekannt, als die deutschen Positionen.
Das Planspiel wurde von der „CIVIC GmbH – Institut für internationale Bildung“ durchgeführt, die Menschen dabei unterstützt, europäische und internationale Zusammenhänge besser zu verstehen und gesellschaftliche Veränderungsprozesse aktiv mitzugestalten. Ziel ist es, politische Bildung nicht nur zu vermitteln, sondern erfahrbar zu machen.
Genau das gelang an diesem Tag eindrucksvoll. Denn am Ende nahmen die Schülerinnen und Schüler weit mehr mit als neue Fakten über Energie- und Klimapolitik. Sie erlebten hautnah, wie komplex europäische Entscheidungsprozesse sind – und wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven anzuhören, Kompromisse zu finden und Verantwortung zu übernehmen.
Vielleicht war das Planspiel deshalb die beste Einstimmung auf die anschließende Brüsselfahrt: Wer Europa verstehen will, muss auch einmal selbst vor Ort im Herzen Europas sein.
(Text: Klein, Fotos: Klein)








