Sozialwissenschaften-Leistungskurs trainiert politische Reden
Worte können begeistern, zum Nachdenken anregen und manchmal sogar Geschichte schreiben. Wie viel Kraft in einer gut formulierten Rede steckt, erlebte der Sozialwissenschaften-Leistungskurs der Q1 von Fachlehrer Hans Klein kurz vor seiner Fahrt nach Brüssel eindrucksvoll auf der Bühne der Aula.
Zur Vorbereitung auf die Gestaltungsaufgabe im Abitur – und auf viele Situationen weit darüber hinaus, den das Sprechen in der Öffentlichkeit ist nach wie vor eine wichtige Fertigkeit – beschäftigte sich der Kurs intensiv mit der Kunst der politischen Rede. Nach einem Rhetoriktraining entwickelten die Schülerinnen und Schüler eigene Reden zu selbstgewählten europapolitischen Fragestellungen und präsentierten diese vor Publikum.
Die Themen waren ebenso vielfältig wie aktuell, zum Beispiel: Sollte die Europäische Union weiter wachsen? Wie kann sie dem Rechtspopulismus begegnen? Sind Atomkraftwerke ein sinnvoller Bestandteil einer nachhaltigen Energiepolitik oder lediglich Greenwashing? Braucht die Europäische Union weniger Einstimmigkeit, um handlungsfähiger zu werden?
Dabei überzeugten die Rednerinnen und Redner nicht nur mit fundierten Argumenten, sondern auch mit rhetorischem Geschick. Sie arbeiteten mit anschaulichen Metaphern, treffenden Analogien und eindrucksvollen Bildern, die ihre Botschaften greifbar machten. So verglich Katja Abecker die europäische Kohäsionspolitik zur Reduzierung der sozialen Ungleichheit mit dem Süßigkeitensammeln an Halloween und brachte ihre Rede mit dem prägnanten Appell „Die Schere schließen oder scheitern!“ auf den Punkt.

Arina Bill fand eindringliche Worte zur europäischen Flüchtlingspolitik und erklärte mit kraftvoller Stimme, dass „im Mittelmeer Menschenrechte ertrinken“. Luise Scherer wiederum verglich das Demokratiedefizit der Europäischen Union mit einem Film, bei dem niemand so richtig die Regie hat, und machte damit komplexe politische Zusammenhänge anschaulich.
Die Reden boten nicht nur eine wertvolle Vorbereitung auf das Abitur, sondern auch auf die anschließende Fahrt nach Brüssel. Mit einem geschärften Blick auf europäische Politik und einem geschulten Gespür für überzeugende Argumentation können die Schülerinnen und Schüler die politischen Institutionen nun aus einer neuen Perspektive erleben.
Am Ende zeigte sich eindrucksvoll: Worte haben Gewicht. Wer lernt, Gedanken klar zu formulieren und andere mit guten Argumenten zu überzeugen, bereitet sich nicht nur auf eine Abiturprüfung vor, sondern auch darauf, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten – oder wie Klara Lenz in ihrer Rede frei an Wittgenstein erinnerte: Sprache ist Macht!
(Text: Klein, Fotos: Klein)










