Der Evangelische Religionskurs der Q1 auf Begegnungstour
Bei Wuppertal denkt man an die Schwebebahn, vermutlich das einzige Verkehrsmittel, welches momentan zuverlässig fährt. Leider ist man bei der Anreise auf Bus und Bahn angewiesen. Nicht der Zoo, die Kunst, das Pina-Bausch-Tanztheater oder das Museum über den berühmten Sohn der Stadt “Friedrich Engels” war Anlass für die Reise, sondern die besondere Art der Vergangenheitsbewältigung mit der Zeit des Nationalsozialismus.
In Wuppertal-Barmen trafen sich aus ganz Deutschland Ende Mai 1934 über 140 Theologen, die trotz aller Unterschiedlichkeit in evangelischer und politischer Denkweise sich auf ein Dokument mit 6 Thesen einigten. Die Einflussnahme der nationalsozialistischen Ideologie sollte aus der Kirche gebannt werden, welche die Gruppe der Deutschen Christen einbrachten. Dem stimmten in Barmen sogar Anhänger Hitlers zu. Für die Opposition stellte die Barmer Theologische Erklärung das Fundament dar als “Bekennende Kirche” die eigentliche Kirche zu sein.

Noch heute hat für Christinnen und Christen im Ausland, die in diktatorisch agierenden Staaten lebten oder noch leben, das öffentliche Bekenntnis Vorbildcharakter. Gäste kommen von weit her um die Ausstellung im hinteren Teil der Kirche zu besuchen.
In der Kirchengemeinde wie auch insgesamt in der Gesellschaft werden die Defizite stärker wahrgenommen: Der fehlende Einsatz für die Opfer des NS-Regimes. So erklärte sich die Gemeinde bereit die Hälfte ihres Grundstücks für den Bau der Bergischen Synagoge zu überlassen. Das seit 2003 gemeinschaftliche Leben zeigt sich im gemeinsamen Hof ohne Grenzzaun – trotz höchster Sicherheitsauflagen für jüdische Einrichtungen in Deutschland.
Der Besuch der Synagoge war das Highlight der Reise. “Im Judentum ist die Tora die Heilige Schrift. Das Schreiben einer Tora dauert ungefähr ein Jahr. Sie wird von Hand geschrieben. Die Torarolle wird im Toraschrein aufbewahrt. Aus der Tora dürfen (im Gottesdienst einer orthodoxen Gemeinde) nur Männer vorlesen. Damit die Toralesung stattfinden kann, müssen mindestens 10 erwachsene Männer anwesend sein. Beim Lesen wird die Tora nicht mit dem Finger berührt, sondern mit einem Stab (Jad). Juden beten in Richtung Jerusalem, da Jerusalem ihre heiligste Stadt ist. Männer müssen eine Kopfbedeckung (Kippa) tragen. Verheiratete Frauen können auch eine Kopfbedeckung tragen, zum Beispiel wenn sie die Synagoge betreten. Männer und Frauen sitzen während des Gottesdienstes getrennt. Es werden für die Gottesdienste mindestens 2 Torarollen gebraucht. Wenn eine beschädigt ist, wird sie auf dem jüdischen Friedhof vergraben, also beerdigt. …” Dies ist ein Auszug aus Mifrahs Erfahrungsbericht. Die detailreiche Wiedergabe der Führung durch die Sozialarbeiterin der jüdischen Gemeinde zeigt, wie eindrücklich menschliche Begegnungen sind. Im Miteinander verbunden mit aufmerksamem Zuhören und Hinschauen werden die Schätze von Vielfalt erkennbar und Antisemitismus wie auch Fremdenfeindlichkeit entgegengesteuert.
(Text: S.Schierbaum, Foto: D.Behrla)






